Film
27· Raoul Meier
"HANABANI oder Blumenfeuer"
 
Feuerwerke
haben mich schon immer fasziniert.
Ich erinnere mich gut an die gemeinsamen Sommerferien mit meinen Eltern,
an den 1.August bei welcher Gelegenheit wir diverse Vulkane, Schwärmer,
Sonnen, bengalische Zündhölzer und Raketen abfeuerten. An Weihnachten
funkelten Wunderkerzen am Christbaum und machten mir grosse Augen und
goldig-warme Gefühle. Schliesslich, schon etwas älter, mag ich
mich an die ersten grossen Feuerwerke am Zürichsee erinnern, welche
mit pompöser Musik daherposaunten und mir immensen Eindruck hinterliessen.
Man könnte also sagen, dass mich Feuerwerke traditionellerweise schon
immer begleitet haben, sei es aus familiären, religiösen oder
sozialen Anlässen. Sie symbolisierten immer eine art Höhepunkt,
standen für ein freudiges Ereignis und stimmten einem besinnlich
in sich kehrend, reflektierend über vergangene und kommende Zeiten.
Man könnte sagen, Feuerwerke bildeten eine art NULLZEIT.
Feuerwerke zelebrierten bei deren Ausführung schon immer: „
Jetzt ist das Fest, jetzt ist der Höhepunkt, das ist der Sieg, die
Freude des menschlichen Daseins.“ Schon die alten Chinesen, welche
um 1103 nach Christus die ersten Feuerwerke in den Himmel schossen, nannten
diese „Hanabani“, was soviel wie „Blumenfeuer“
bedeutet. (Quelle Tages Anzeiger)
Die Feuerwerke setzen einem nahezu unter Zwang, konzentriert sich Ihrer
zuzuwenden und das Spektakel möglichst ohne Ablenkung mit allen Sinnen
wahrzunehmen. Der Genuss von Zischen, Farben, Formen und Knallern, von
aufsteigenden Raketen welche sich in Nichts auflösen, lassen einem
einen Hauch von Zeit spürbar werden.
KEIN VORHER, KEIN NACHHER, NUR DAS JETZT.
Sie sind ein Symbol für Lebensfreude und menschlichem Sinn für
Tüftelei, lassen den Spieltrieb des Menschen im Grunde erkennen.
Sie demonstrieren auf eine Weise auch die materielle Macht derer, welche
sich solche leisten können, umso mehr sich die Schönheit nur
für einen kurzen Moment entfaltet, zeigt und sich sogleich mit einem
wuchtigen Knall in Rauch, in Nichts auflöst, Entfaltung und Vergänglichkeit
in einfachster Weise zelebriert und sichtbar, spürbar gemacht. Und
für das, liebe ich sie so.
Anlässlich meines 30igsten Geburtstages, wurde deshalb an der Hardtutm
/ Föhrlibuckstrasse eigens für mich ein solches inszeniert und
gefilmt und ich möchte das Videomaterial für meinen Hotspot
verwenden und den Besuchern der Videosafari nicht vorenthalten. Es soll
innerhalb des Projektes lediglich ein Surprise, ein Zückerchen sein.
Verspielt, pompös, liebevoll. Den Hauch des Überflüssigen
tragend, zu gegebener Zeit, vor allem Nachts, dem Besucher zu Gemüte
geführt werden.
30 Sekunden, in denen sich das „Video-Blumen-Feuer“ entfacht,
entfaltet und verbrennt. Das gefilmte Hanabani vor 13 Jahren war Anlass
dazu, ein Video von 30 Sekunden zu realisieren. Dabei ging es mir mehr
darum eine kurze Zeitreise anzutreten. Der Ort ist identisch, das gefilmte
Vergangenheit . Etwas verklärt zeigen sich Bilder, Töne und
Musik aus der Erinnerung. Ein kurzer Mitschnitt von persönlich Erlebtem,
wird ins heute transportiert und projeziert.
Vielleicht ist ein Hauch der aufgezeichneten Realität von damals
darin enthalten, und sei es nur in dem man meine Frisur mit 30, die Umarmung
meiner „Verflossenen“ erkennen kann.
Mit Vogelgezwitscher und rauschenden Wellen wird der Betrachter im Video-Van
wieder in die Realität entlassen.
KEIN VORHER, KEIN NACHHER, NUR DAS JETZT.
 
Credits
Spezieller
Dank geht an:
Janine Schneider, René F.Appenzeller, Beat Moor, Benno Zimmermann,
RingierTV, Birgitta und Livia.
CV Raoul Meier
Raoul
Meier 1962
Künstlerausbildung F+F Schule für experimentelle Gestaltung
Cutter bei Ringier TV
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